
Je höher ich komme, desto näher rücken die Felsnadeln der Organ Needles mit ihren markanten Gipfeln Sugarloaf Peak, Organ Peak und Baldy Peak. Erst jetzt kann man auch erkennen, wie schwierig es sein muss, von hier aus tiefer in die Bergwildnis der Organ Mountains vorzudringen. Direkt unterhalb der Felswand erreiche ich schließlich den höchsten Punkt des Trails und eine kleine Feuerstelle, die wahrscheinlich ab und zu von Kletterern als Lagerplatz und Basecamp genutzt wird. Hier folgt der Weg noch eine Weile der Felswand, bevor er in großem Bogen wieder hinunter führt ins Tal.

Bin ich froh, dass ich diesen Weg im Uhrzeigersinn gegangen bin und nicht umgekehrt! Diese Seite des Weges bietet so gut wie keinen Schatten und 400 Höhenmeter in der prallen Sonne bergauf - naja - das macht vielleicht im Winter Spaß, aber nicht jetzt im August. Also freue ich mich, dass es bergab geht und nehme mir noch extra viel Zeit, um all die vielen schönen Kakteen und Wüstenpflanzen zu bewundern, die hier auf der sonnenbeschienenen Ostseite der Bergflanke so richtig üppig gedeihen. Beeindruckend sind auch die knorrigen und skurril verdrehten Alligator Junipers mit ihrer schwarzglänzenden schuppigen Rinde, die aussieht als wäre sie verbrannt. Naja, vielleicht ist diese schwarze Rinde tatsächlich so etwas wie ein Sonnenbrand, wer weiß?

Und den Rest des Tages? Den verbringe ich einfach am wunderschönen Campingplatz von Aguirre Springs im Schatten eines großen Baumes. Während ich ein bisschen lese und schreibe, taucht unter meinen Füßen plötzlich ein großer Squirrel auf. Als ich ihn bemerke, verschwindet er genauso schnell wieder in seinem Loch, das sich direkt unter dem Picknicktisch befindet. Na sowas ist mir auch noch nicht passiert! Dass Squirrels neugierig und frech sind, habe ich ja schon gewusst. Aber der hier hat für seine Schlauheit und seinen Mut schon fast einen Tapferkeitsorden verdient.

Eine Weile lang beobachten wir uns gegenseitig. Immer wieder verschwindet er in seinem Bau, um kurz danach wieder neugierig den Kopf hervorzustrecken. Schließlich wird mir der kleine Kerl richtig sympathisch. Und da ich mittlerweile fertig bin mit Schreiben, mache ich halt jetzt das Abendessen für zwei statt für einen. Vielleicht passt mein neuer Freund dafür in der Nacht ein bisschen auf, dass keine Skorpione oder Spinnen in mein Zelt krabbeln. Es schläft sich dann besser :-)
 
 
  Fotos Organ Mountains Teil 2    
 
 
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