Tief unten im nur wenig besiedelten Süden von New Mexico liegen die Organ Mountains, eine abweisende, kaum erschlossene Gebirgskette, deren schroffe Felsgrate wie gezackte Sägeblätter in den Himmel emporragen. Die ersten spanischen Konquistadoren nannten das Gebiet bereits sehr treffend 'La Sierra de la Soledad' - Berge der Einsamkeit. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert, denn es gibt so gut wie keine Straßen oder Wege, die tiefer in diese undurchdringliche Felsenwildnis vordringen. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn dadurch sind diese Berge auch heute noch, was sie schon immer waren - ein wildes, unzugängliches Felsenlabyrinth und ein ideales Jagdrevier für Berglöwen.

Auf meinem Weg von Alamogordo zu den City of Rocks biege ich kurz vor dem San Augustin Pass ab Richtung Aguirre Springs, einer einfachen Recreation Area zu Füßen der Organ Needles mit einem kleinen Zeltplatz und zwei Wanderwegen, die von hier aus ein Stück weit in die Bergwildnis hineinführen. Eigentlich wäre jetzt am späten Nachmittag die ideale Zeit für eine solche Wanderung. Aber erstens bin ich ganz schön hungrig und zweitens habe ich keine Lust, mein Zelt irgendwann später im Dunkeln aufzubauen. Und überhaupt ist es hier wunderschön. Warum soll ich nicht einfach diese herrliche Landschaft genießen und eine Weile nichts tun?
Am nächsten Morgen lese ich in meinem Wanderführer noch einmal die Beschreibung der beiden Trails durch, die von hier aus in die Bergwelt der Organ Mountains führen. Hmmm - welchen soll ich wohl nehmen? Beide sind etwa gleich lang und beide haben auch in etwa den gleichen Höhenunterschied. Der Baylor Pass Trail führt allerdings nach Nordwesten zum Baylor Pass und dann zum Baylor Canyon, also weg von den Felsnadeln. Interessanter ist damit wohl der Pine Tree Trail, der gleich hier am Campground beginnt. Wenn ich schon einmal hier bin, will ich natürlich auch hoch zu diesen tollen Granitfelsen.

Nicht weit vom Trailhead erreiche ich ein kleines Holzschild, das den Beginn des 4,5 Meilen langen Loops markiert. Laut Trailguide soll man hier nach rechts gehen. Ich entscheide mich allerdings für die linke Abzweigung, denn der schmale Weg, der durch einen ausgetrockneten Wash bergauf führt, bietet jetzt am frühen Morgen noch etwas Schatten, während die gegenüberliegende Seite schon voll in der prallen Sonne liegt. Allerdings muss ich hier auf diesem unübersichtlichen und schmalen, von viel Gestrüpp überwucherten Pfad höllisch aufpassen, dass ich nicht plötzlich auf eine Schlange oder Tarantel trete, besonders jetzt so früh am Morgen.

Während des angenehm schattigen Aufstiegs mache ich immer wieder Halt, um mich umzudrehen und die phantastische Aussicht zu genießen, die sich von hier oben auf das Rio Grande Valley bietet. Tief unten liegt der Campground von Aguirre Springs, links die Felsformation der Rabbit Ears und weit in der Ferne die langgezogene Gebirgskette der San Andres Mountains.
 
 
  Fotos Organ Mountains Teil 2    
 
 
  Infos Organ Mountains - Aguirre Springs