
Dies ist der Zeltplatz im Oliver Lee Memorial State Park. Jetzt im Hochsommer ist er fast leer. Es ist einfach zu heiß hier im Süden New Mexicos. Das merke ich bereits in der ersten Nacht. Selbst ohne Außenzelt ist die Luft im Innern stickend heiß. Kein Windhauch. Keine Abkühlung. Ich kann einfach nicht schlafen. Erst gegen Mitternacht überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, doch gegen 3 Uhr morgens wache ich schon wieder auf. Diesmal von einem wütenden Sturm, der das ganze Zelt hin und her zerrt und zu Boden drückt. Der Wind fegt mit einer unglaublichen Geschwindigkeit über die flache Ebene und wechselt dabei ständig die Richtung. Dabei bringt er nicht einmal Abkühlung - im Gegenteil. Es ist ein trockener, heißer Wind, der den Aufenthalt im Zelt noch unangenehmer macht.
Da ich bei diesem Sturm natürlich auch nicht schlafen kann, streife ich mir kurz meine Schuhe über und verlasse das Zelt. Über mir ist nur der riesige schwarze Nachthimmel, übersät mit Tausenden von funkelnden Sternen. Rings um mich nur die Einsamkeit der Chihuahua Desert und das Heulen des Windes. Ein Glücksgefühl überkommt mich. Ich hocke einfach nur da, vor meinem Zelt, und spüre die Nacht und den Wind. Das ist es, was ich suche. Deswegen bin ich hier. Keine Menschenseele außer mir. Nur diese wilde, unbändige Natur.

Obwohl ich während der Nacht nicht viel geschlafen habe, fühle ich mich schon am frühen Morgen fit und unternehmungslustig. Nach dem Aufenthalt in Albuquerque und der langen Autofahrt hierher will ich heute endlich einmal wandern. Ziel ist der Dog Canyon, der sich hier am östlichen Rand des Tularosa Basin wie eine tiefe Kerbe in die steil aufragenden Sacramento Mountains schneidet.
Es ist 6 Uhr morgens, als ich mich auf den Weg mache. Das Zelt lasse ich einfach am Campinplatz zurück. Abbauen kann ich es später immer noch. Nach kurzem Suchen entdecke ich hinter dem Visitor Center, das um diese Uhrzeit natürlich noch geschlossen ist, den Trailhead zum Dog Canyon Trail. Der Wegweiser zeigt nach rechts, ein zweites hölzernes Schild gleich daneben warnt vor den giftigen Prärieklapperschlangen.

Über Felsplatten steigt der Weg im Zickzack steil bergan. Laut Trailguide beträgt die Steigung auf dieser ersten 3/4 Meile 200 Höhenmeter. Ich habe Glück, denn so früh am Morgen liegt der ganze Hang noch im Schatten. Nur langsam wandert die schwarze Silhouette der Berge Richtung Osten. Noch hat die Sonne den Weg nicht erreicht. Noch ist die Luft angenehm frisch und kühl.

An der letzten Biegung kommt auf einmal die Sonne heraus und damit wird es schlagartig heiß. Zum Glück liegt der anstrengendste Teil des Weges jetzt schon hinter mir. Lohn dieses ersten steilen Aufstiegs ist ein toller Blick hinunter ins Tal und über das ganze Tularosa Basin bis hinüber zu den Sanddünen von White Sands, die man als schmales weißes Band am Horizont erkennen kann.
 
 
  Fotos Dog Canyon Teil 2    
 
 
  Infos Dog Canyon