Etwa eine Stunde bin ich bereits unterwegs, als mein Blick plötzlich auf eine Tierspur fällt. Ein riesiger Pfotenabdruck, direkt vor mir, aber nur undeutlich erkennbar im dunkelgrauen Sand. Als ich mir den Abdruck genauer ansehe, wird mir klar, dass dies eine Bärenklaue ist. So groß wie meine ausgestreckte Hand.
Vorsichtig schaue ich mich um, suche nach weiteren Spuren. Aber der Weg ist schmal und rechts und links ist nur undurchdringlicher, bewaldeter Steilhang. Wahrscheinlich hat der Bär den Weg an dieser Stelle überquert, um von hier aus hinunter an den Bach zu gelangen.

Na auf jeden Fall habe ich jetzt keine große Lust mehr, weiterzuwandern, denn es ist erst 7 Uhr morgens und ich bin ganz allein hier. Schon bei der Vorstellung, weiter tiefer in diesem schmalen Canyon plötzlich ganz alleine einem ausgewachsenen Braunbären gegenüberzustehen, wird mir ganz anders. Also heißt es, wieder zurück und die Wanderung beenden. Schade eigentlich, denn die Gegend ist wunderschön und auch die Sonne kommt langsam heraus.

Auf jeden Fall hat dieser Fußabdruck jetzt mein Interesse geweckt. Vielleicht kann ich ja auf dem Rückweg noch mehr Tierspuren entdecken. Von jetzt an gilt meine ganze Aufmerksamkeit dem Waldboden. Jeder Meter wird sorgfältig abgesucht. Gleichzeitig versuche ich, rechts und links im Wald abgebrochene Zweige oder niedergetretene Blätter zu entdecken, die darauf hindeuten könnten, dass sich hier ein größeres Tier bewegt hat. Aber alles, was ich finde, sind einige kleinere Spuren drunten im feuchten Uferschlamm des Pueblo Creek, darunter dieser Pfotenabdruck, der der Größe und Form nach von einem Kojoten oder Wolf stammen könnte.

Erst weiter bachaufwärts finde ich endlich wieder, was ich suche. Große Bärenspuren, die gut erkennbar sind und den Weg markieren, den das Tier gegangen sein muss. Sorgfältig folge ich den weit ausladenden, gewaltigen Trittspuren auf der linken Seite des Bachbetts, bis sie nach rechts in eine Wiese führen und schließlich am steinigen Bachbett enden.

Von hier ist es jetzt auch nicht mehr weit bis zum Beginn des Wanderwegs. Mit großer Erleichterung entdecke ich meinen gut erkennbaren Astpfeil, der mir den Weg zurück weist zu meinem Geländewagen, der noch immer genauso verlassen in der Landschaft steht wie vor zwei Stunden.
Einen Hunger habe ich jetzt! Zurück beim Zelt mache ich mir erst mal ein tolles Frühstück. Das habe ich mir jetzt auch verdient. Nach all der Aufregung heute nacht und heute morgen. Und wenn die Sonne scheint, sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Nur von Bären habe ich jetzt eine Weile genug. Und auch von einsam gelegenen Campingplätzen mitten im Wald.
Weiterführende Infos über Bären finden Sie hier