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Reiseführer USA Südwesten – Buckskin Gulch


Wire Pass Slot Canyon
In den Schluchten der Buckskin Gulch


In der Sprache der Paiute-Indianer bedeutet Paria ‚Schlammwasser', ein treffender Begriff für einen Fluss, dessen flaches Bachbett in der Hitze des Hochsommers größtenteils aus feinem, grauem Schlamm besteht, sich aber nach Regenfällen in einen gewaltigen, alles mit sich reißenden Strom verwandelt, der in meterhohen Flutwellen durch die extrem schmalen und tief eingeschnittenen Canyonschluchten rast. An der tiefsten Stelle, der Bucksin Gulch, sind die Felswände so hoch und steil, dass selbst um die Mittagszeit kein Sonnenstrahl bis zum Grunde des Canyons vordringen kann. Wer genügend Zeit, Abenteuerlust und ausreichend Kondition mitbringt, kann von verschiedenen Trailheads südlich des Highway 89 eine absolut spektakuläre mehrtägige Trekkingtour durch den Paria Canyon unternehmen. Lohnend sind aber auch kürzere Wanderungen, beispielsweise vom White House Trailhead flussabwärts bis zu einer Stelle mit interessanten Aushöhlungen in den Canyonwänden oder vom Wirepass Trailhead durch die tiefe Schlucht der Buckskin Gulch.



Wire Pass Slot Canyon           Wire Pass Slot Canyon
Ein verkeilter Baustamm im Wire Pass Slot Canyon


Für die 40 Meilen lange Trekkingtour durch den Paria Canyon bis zum Endpunkt bei Lee's Ferry benötigt man je nach Ausgangspunkt 3 bis 4 Tage. Aufgrund der vielen schwierigen Passagen ist es jedoch besser, gleich noch einen Reservetag einzuplanen. Damit hat man auch gleich noch genügend Zeit für den ein oder anderen Abstecher in einen der zahlreichen Seitencanyons. Beste Zeit für eine solche Trekkingtour sind die Monate März bis Juni und Ende September bis November. Im Winter ist das Wasser zu kalt und von Juli bis September besteht die Gefahr von Flash Floods, besonders in dem extrem schmalen oberen Teil des Canyons zwischen den Meilen 4,2 und 9,0. Für das häufig notwendige Waten im Paria River eignen sich leichte Stoff- oder Lederboots besser als schwere Wanderstiefel. Normalerweise ist das Wasser zwar nur knöcheltief, nach der Schneeschmelze im Frühjahr oder nach heftigen Regenfällen kann es aber durchaus Hüfthöhe erreichen. Plötzlich hereinbrechende Sommergewitter können im Bereich der Paria Narrows sogar Flutwellen von bis zu 15 Metern Höhe erzeugen. Also Vorsicht!

Frischwasser findet man unterwegs an mehreren Quellen südlich des Zusammenflusses von Paria Canyon und Buckskin Gulch. Das Flusswasser selbst ist weniger geeignet, denn es enthält chemische Verunreinigungen von den umliegenden Farmen und muss vor Verwendung abgekocht oder mit speziellen Mitteln entkeimt werden. Da das Trailende 150 Straßenmeilen vom Ausgangspunkt der Tour entfernt ist, muss man sich auch rechtzeitig um einen Shuttle Service kümmern, der einen wieder zurück zum eigenen Fahrzeug bringt. Vermittelt wird dieser Service unter anderem von den Rangern der Paria Contact Station. Hier erhält man auch das notwendige kostenpflichtige Hiking Permit sowie alle notwendigen Informationen für eine genaue Planung der Tour wie z.B. den aktuellen Zustand der Wanderwege oder einen Wetterbericht für die nächsten Tage.


Buckskin Gulch           Buckskin Gulch
Die Sonne bringt die Felswände zum Leuchten


Streckenvarianten:
1. Buckskin Trailhead - Lees Ferry, Gesamtdistanz: 43,4 Meilen / 70 Kilometer (mind. 4 Tage)
2. Wire Pass Trailhead-Lees Ferry, Gesamtdistanz: 40,4 Meilen / 65 Kilometer (mind. 4 Tage)
3. White House Ruins Trailhead-Lees Ferry, Gesamtdistanz: 34 Meilen / 55 Kilometer (mind. 3 Tage)
4. Wire Pass Trailhead-White House Ruins, Gesamtdistanz: 21 Meilen / 33,5 Kilometer (2 Tage)

Der beliebteste Einstiegspunkt für die mehrtägige Trekkingtour bis Lees Ferry ist der White House Trailhead, erreichbar über eine 2 Meilen lange Dirt Road, die direkt vom Paria Information Center nach Süden abzweigt. An diesem Trailhead befindet sich auch ein kleiner Einfachcampground mit Toiletten und Picknicktischen. Die beiden anderen Trailheads Wire Pass und Buckskin Gulch liegen an der House Rock Valley Road (Road 700 zwischen Milepost 25 und 26), einer Dirt Road, die 4,9 Meilen westlich des Paria Information Center nach Süden abzweigt. Vom Highway 89 sind es 4,5 Meilen bis zum Trailhead Buckskin Gulch, 8,5 Meilen bis zum Trailhead Wire Pass. Am wenigstens zu empfehlen ist der Buckskin Trailhead, da die Wanderung durch den Upper Buckskin Canyon im Vergleich zum Wire Pass Canyon landschaftlich weit weniger interessant ist.

Wer die Wanderung am White House Trailhead beginnt, durchquert zunächst den 7 Meilen langen Paria Canyon. Zu den besonderen Highlights dieser Schlucht gehören zwei lange, schöne Narrowspassagen, eine Reihe eindrucksvoller, wasserumspülter Felsarkaden sowie der Slide Rock Arch, ein gewaltiger Steinbogen unweit der Confluence (s. Tageswanderungen).


Paria Canyon           Paria Canyon
Paria Canyon - die Mutter aller Slot Canyons


Ein völlig anderes Erlebnis bietet sich, wenn man die Tour am Wire Pass Trailhead beginnt. Von dort aus durchquert man zunächst den Wire Pass Slot und gleich daran anschließend die Mutter aller Slot Canyons, die mehrere Meilen lange, bis zu 150 Meter hohe und an manchen Stellen nur einen Meter breite Buckskin Gulch, die so tief und dunkel ist, dass selbst um die Mittagszeit kaum ein Lichtstrahl bis zum Boden dieses Canyons vordringen kann. Blickt man nach oben, erkennt man hoch oben eingeklemmt zwischen den Canyonwänden riesige Baumstämme und Bündel aus Treibholz, Überreste der meterhohen Sturzfluten, die hier mehrmals pro Jahr durch die engen Schluchten jagen. Wer in diesem Spaltencanyon von einer solchen Flash Flood überrascht wird, hat kaum eine Chance, zu entkommen, es sei denn, er erreicht noch den Middle Trail, einen durch Steinmännchen markierten und nicht ganz ungefährlichen ‚Notausstieg', über den man bei Gefahr aus dem Canyon herausklettern kann (6,3 Meilen ab Wire Pass Trailhead).


Paria Canyon           Paria Canyon
Farbenprächtige Lichtspiele in der Buckskin Gulch


Kurz bevor man diese Stelle erreicht, muss man allerdings noch den Cesspool durchqueren, ein berühmt-berüchtigtes, tiefes und unangenehm stinkendes Schlammloch, das manchmal bis zu den Knien, manchmal sogar bis zur Brust reichen kann. Um die Tiefe dieses Pools auszuloten, haben viele Wanderer einen langen Stock dabei. Empfehlenswert ist es auch, Kamera und Objektive möglichst wasserdicht zu verpacken, Ersatzkleidung mitzunehmen und beides möglichst weit über dem Kopf durch dieses Schlammloch zu transportieren.

Hat man Cesspool und Middle Trail hinter sich, verengt sich der Canyon wieder. Nächstes Hindernis ist dann ein etwa 5 Meter hoher Drop-Off, gebildet aus mehreren großen Felsblöcken, über die man mit Hilfe einiger Trittstufen und eines angebrachten Seils hinabklettern kann. Auf das vorhandene Seil sollte man sich jedoch lieber nicht verlassen, sondern besser ein eigenes mitnehmen, an dem man auch die schweren Trekkingrucksäcke ablassen kann, bevor man selbst hinunterklettert.


Paria Canyon



Nach 14 Meilen erreicht man schließlich die Confluence, an der Paria Canyon und Buckskin Gulch zusammentreffen (vom White House Trailhead bis zur Confluence sind es 7 Meilen). Von hier aus sind es dann nochmals 27 Meilen bis Lees Ferry. Unterwegs führt ein interessantester Abstecher zum Wrather Canyon Arch, einem der größten Natursteinbögen Arizonas mit einer Spannweite von fast 75 Metern. Er befindet sich im Wrather Canyon, einem unmarkierten und leicht zu verfehlenden Seitencanyon des Paria River, der etwa 20 Meilen ab White House Trailhead vom Hauptcanyon nach Westen abzweigt. Der Steinbogen befindet sich eine halbe Meile innerhalb des Canyons.

Eine landschaftlich sehr reizvolle Alternative für diese mehrtägige Trekkingtour ist eine Zweitageswanderung, bei der man am ersten Tag vom Wire Pass Trailhead durch den Wire Pass Slot und die Buckskin Gulch bis zur Confluence wandert (14 Meilen), dort zeltet, und dann am nächsten Tag die 7 Meilen durch den Paria Canyon flussaufwärts wandert bis zum White House Trailhead (siehe Streckenvariante 4). Für diese Tour benötigt man ebenfalls ein Shuttlefahrzeug, um vom White House Trailhead wieder zum Wire Pass Trailhead zu gelangen.


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